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Jup, zur UBC hab ich mich noch nicht geäußert. Aus gutem Grund - ich kann mich nicht entscheiden. Ich wollte erst einmal ein paar Tage vergehen lassen, um mir ein Bild von der Uni machen zu können.
Was schnell auffiel ist, dass 99% aller Kommilitonen jünger sind als ich. Ob während der Einführungsveranstaltung oder im Unialltag. Klar, Zivi/Bund gibt es hier nicht und mit meiner Ausbildung kommen ein paar Jahre zusätzlich mit drauf.
Als Kurse hab ich drei, die auf das dritte von vier Jahren Bachelor-Ausbildung zielen. Canadian Histroy, Migration und Money & Banking. Der vierte Kurs zielt auf den Abschlussjahrgang und heißt Development Economics.
Ich studiere an der Arts Faculty - im Gegensatz zu dem HU Science Bachelor.
Aus diesem "Pottpüree" ergeben sich die Unterschiede zum Studium daheim, die mich schwanken lassen zwischen Missgefallen und Inspiration.
Es fängt damit an, dass die Anbindung an die Arts Faculty VWL (hier Economics) zu einer Art Sparte neben Politik, Geschichte, etc. werden lässt. Ich denke, aus historischen Gründen, kommt die VWL hier eher aus der argumentativen, essay-basierenden Ecke. Ich bin dagegen die quantitative VWL gewohnt und freu mich regelrecht, wenn hier und da mal eine Formel um die Ecke blickt. Die Vorlesungen bestehen daher auch eher aus "Geschichten erzählen". Sei es aus dem witzigen Leben des Profs oder ein Schwank durch Geschichte und Geschichtesgeschichten(?). Ich vermisse oft den roten Faden der einzelnen Vorlesung - man muss sehr mühselig die Informationen aus dem Gerede heraus extrahieren. Zum Glück geht es aber nicht nur mir so, auch Kommilitonen haben das Problem. Von der HU bin ich eher messerscharfe und daher in meinen Augen auch "wissenschaftlich orientiertere" Argumentationsketten gewohnt, die sich natürlich in Formeln ergießen. Zum ersten Mal im Leben durfte ich erleben, wie universell die Sprache der Mathematik ist, wenn man im anderen Zusammenhang tausende Kilometer entfernt bekannte Termini wieder trifft. Da hab ich ein wenig mehr verstanden, warum manche von der Schönheit der Mathematik sprechen. Als Ausdruck dessen gibt es hier auch nur liniertes Papier, kein Karo (bzw. wenn dann nur riesen Quadratkaros).
Ich hab ehrlich gesagt auch lebendigere Vorlesungen erwartet. Aber das betrifft eher den Kanadier als solchen. Erstaunlicher Weise sind sie letztendlich genauso schüchtern wie ich es von Deutschen erwarte. Das liegt auch gar nicht mal an der großen Anzahl an Asiaten. Die Mentalität ist doch zurückhaltender als von mir gedacht. Von der berühmten kanadischen Höflichkeit haben wir ja schon geschrieben. An der UBC vermischt sich die aber auf mir noch nicht fassbare Weise mit einer typischen nordamerikanischen Highschool Egomanie (würde ich es mal nennen). Alle Studenten sind noch relativ jung und es scheint mir, als wenn sich jeder als Einzelkämpfer sieht. Die Höflichkeit ist oberflächlich da, jeder würde dir seine Hilfe anbieten. Aber ich hab oft das Gefühl, dass war es dann auch. Höflich angeboten - Pflicht getan und ab dafür. An vielen Stellen wurde mir versichert, jeder würde mir gerne helfen, ich soll nur ja nicht vergessen zu fragen (diese Aufforderungen während der Einführungsveranstaltungen galten eher den Asiaten, die erstmal "aufgetaut" werden sollten). Ich bin mir nur nicht sicher, ob diese Aufforderung mir galt oder den Heimischen der UBC.
In den Vorlesungen macht man jedenfalls keine Freunde, so wie ich es dachte. Zu wenige studieren in den Kursen überhaupt VWL (Bachelor-Anwärter können noch ziemlich spät ihr eigentliches Major (Studienfach, mit dem sie abschließen) wählen, solange es von der Arts Faculty angeboten wird, also Politik, Soziales, Englisch, etc.). Aus dieser Sicht werden, denke ich, auch die Kurse konzipiert. Sie müssen kompatibel sein unter der Haube des Arts-Bachelor. Deswegen entsteht aber auch weniger ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Eine Art Verbundenheit mit seiner jeweiligen Fakultät (hier Department genannt) und dem Fach.
Daher organisiert man sich hier auch in diversen Klubs und so.
Über das so genannte International House bin ich in einer Peer-Gruppe (ein originaler UBC Student hat sich dafür bereit erklärt, 3-4 exchange students unter seine Fittiche zu nehmen) organisiert. Wir treffen uns lose und gehen z.B. demnächst Dim Sum essen. Allerdings sind alle 6 Jahre jünger - und das merkt man auch. 6 Jahre Altersunterschied, japanisch schüchtern gemixt mit schlechtem Englisch ist eine Herausforderung, der ich mich stelle!
Ich bin außerdem noch Captain einer Longboat Gruppe des International House und bin im Basketballverein eingeschrieben (was für ein glückliches Gefühl, mal wieder den Ball in den Händen zu spüren, Flo!). Gestern war Club Day im SUB (Student Union Building - da geht alles) und ich und die Jessica sind jetzt eingeschrieben im VOC - Varsity Outdoor Club. Eine gute Möglichkeit, im Verbund rauszukommen und wandern und klettern zu können. Als Highlight erwartet uns der Longhike - wir werden über Thanks-Giving "Bergsteigen" lernen. Warum nicht..regnen tut's ja schon.
Die Fixierung auf Essays und eigener Recherche fällt mir natürlich nicht besonders leicht. Während der letzten zwei Jahre bestand nie die Notwendigkeit, in die Bibliothek gehen zu müssen. Ich musste nie ein Papier einreichen und aus verschiedenen Quellen Informationen zusammen suchen. Das betrifft auch die eigentliche Vorlesung, die wie ein Puzzel sich aus vielen Quellen speist. Fast möchte ich von verwöhnt sprechen!
Ich hätte auch eine bessere Versorgung an Lehrpersonal erwartet, aber die Aufbereitung des Stoffes liegt voll und ganz in der Hand des Studenten und der runzeligen Bücherliste. Wie würde ein Blinder hier studieren können?!
Aus dieser Perspektive erscheinen mir die Tutorien und Übungen zu jeder VL daheim wie Luxus! Hier ist alles eine One-Man-Show, der Rest ist mein Problem. Ich bezweifle, dass so mathematische Abläufe richtig verstanden werden. Alles richtet sich auf die vorgefertigten Lösungen im Buch, die Anwendung aber bleibt auf der Strecke. Hut ab daher vor der HU, muss ich sagen.
Ich kann es zwar noch nicht genau sagen, aber auch das Niveau generell ist an der WiWi höher, sagt mir mein Bäuchlein. Ich hatte schon den Gedanken, ich hätte mir die Gast-Uni eher nach Ranking Kriterien aussuchen sollen als der Landschaft wegen.
Über das Wochenende werde ich mein erstes Assignment zu Papier bringen und die nächsten Tage werden zeigen, ob die Intelligenzkeule noch auf mich zukommt, die mich endlich mitnimmt zu höheren Gefilden.
Ich hatte bestimmt auch noch viele andere Gedanken zur UBC, die ich hier leider nicht mehr reinpressen kann, weil ich grad nicht drauf komme. Mach ich später.
Oder jetzt. Was ist zum Beispiel toll an der UBC?! In der Bibliothek zu lesen ist eine tolle neue Erfahrung! Englisch hören und reden ist toll! An einer aktiven, lebendigen Uni studieren zu können ist toll! Das Wetter war bisher toll! Es gibt lecker "Combo #1 with rice & beef" für nur $3,75!
C.
Heute kam endlich die lang erwartete Nachricht, das ich mit Hilfe der Humboldt-Uni nach Vancouver an die University of British Columbia zum Studieren fahren darf. Damit starte ich diesen Blog, damit die Welt auch ja mitbekommt, wie es mir ergehen wird. Es wird ca. im September 2007 losgehen und da es noch eine Weile hin ist, füll ich die Zeit mit ein paar kleinen Notizen hier und da, die sich um meinen Aufenthalt drehen.
Vor allem hoffe ich anderen Studenten oder Backpackern mit diesem Blog eine kleine Hilfe zu sein, falls sie denn auch von Vancouver so begeistert sind wie ich! Wer Vancouver noch nicht kennt - bitte schön!